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"ARTPRICE"
Communiqué "ARTPRICE"
du 07/03/2012 à 13H05

ARTPRICE

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ARTPRICE

Kunstmarkt : exklusivinterview mit Thierry Ehrmann, Gründer und CEO von Artprice (7. März 2012)

Boursica:
Am 5. Juni und 9. Oktober haben wir mit Ihnen ausführlich gesprochen. Jetzt sind wir Anfang März 2012 und die Auktionen haben vor eineinhalb Monaten begonnen. Welche Erfahrungen haben Sie gesammelt?

Thierry Ehrmann:
Um dieses Gespräch gut zu verstehen, sollten Ihre Leser zuerst die beiden Interviews vom 5. Juni 2011 und vom 9. Oktober 2011 lesen, auf denen ich aufbaue. Nachdem wir also 16 Jahre lang gegen eines der ältesten Monopole der Welt gekämpft hatten, konnten wir am 18. Januar 2012 endlich mit den Auktionen beginnen. In Frankreich waren Kunstauktionen nämlich nach einem Edikt aus dem Jahr 1556 genehmigungspflichtig. Es ist uns jedoch schließlich gelungen, den freien Wettbewerb auf der Grundlage des Gesetzes vom 20. Juli 2011 durchzusetzen.

Boursica:

Sie sind also ein Auktionshaus geworden?

Thierry Ehrmann:
Nein, genau genommen sind wir über unseren standardisierten Auktionsmarktplatz® Online-Auktionsmakler gemäß § 5 des Gesetzes 2011-850 vom 20. Juli 2011 geworden.

Boursica:
Könnten Sie das etwas genauer erklären?

Thierry Ehrmann:
Artprice hält zahlreiche Patente im Rahmen des geistigen Eigentums (Schutzrechte, Software, Urheberrecht etc.) und kann so weltweit einzigartige Verfahren zur Standardisierung des Kunstmarkts einsetzen, mit denen wir über unseren standardisierten Marktplatz Angebot und Nachfrage in Echtzeit zu Festpreisen oder im Rahmen von Versteigerungen zusammenbringen. Wir haften nicht für die Auktion, da wir nicht an die Parteien (Käufer und Verkäufer) gebunden sind. Der Verkäufer wählt auf Grundlage seiner eigenen Kriterien das für ihn günstigste Angebot aus und zahlt uns 5 bis 9 Prozent Provision für die Nutzung unseres standardisierten Marktplatzes und unserer Kundendatei. Diese Datei ist derzeit die umfangreichste der Welt. Sie zählt 1,4 Millionen Mitglieder, von denen wir genau wissen, was sie suchen oder anbieten.

Boursica:
Sprechen wir über die letzten eineinhalb Monate. Was haben Sie in diesen sieben Wochen festgestellt?


Thierry Ehrmann:
Zuerst haben wir eine einzigartige Herausforderung angenommen. Am 18. Januar 2012 standen mehr als 5.000 Posten im Wert von über 810 Millionen Euro zum Verkauf. Die Preise reichten von einigen Hundert Euro bis hin in den zweistelligen Millionenbereich.
Um die ersten 45 Auktionstage besser zu beschreiben, muss ich zuerst erklären, wie die Transaktionen sich auf Artprice entwickelt haben. Der standardisierte Festpreis-Marktplatz ging am 18. Januar 2005 online. Er fand sofort großen Anklang. 2005 wurden Kunstwerke im Wert von 1,2 Milliarden Euro angeboten, 2006 waren es bereits mehr als 2,7 Milliarden Euro, 2007 3,6 Milliarden Euro, 2008 4,5 Milliarden Euro und 2009 5,4 Milliarden Euro. 2010/2011 stabilisierte das Angebot sich bei rund 6,3 Milliarden Euro. Etwa 30 Prozent der Angebote führten zu Abschlüssen, für die wir keine Provisionen erhielten. Die genauen Zahlen stehen im Referenzdokument, das auf ActusNews abgerufen werden kann, einer von der französischen Finanzmarktaufsicht AFM zugelassenen Website. 2012, als die Auktionen eingeführt wurden, reagierten die Kunstmarktteilnehmer sehr positiv. Die Versteigerungen fanden sofort großen Anklang. Der harte Kern rund um Drouot, das heißt die alte, unbelehrbare Garde, war jedoch äußerst negativ eingestellt und versuchte sich sogar mit Drohungen, was bis dahin in Europa undenkbar gewesen war.

Boursica:
Sprechen wir zuerst über die positive Reaktion und den Erfolg.

Thierry Ehrmann:
Eine Generation von Galeristen, Auktionshäusern, Kunsthändlern, Künstlern, Sammlern und Kunstliebhabern hat sehr schnell verstanden, dass nichts mehr so wie früher sein wird. Durch die zeitliche Begrenzung der Auktionen ist die Zahl der Transaktionen im Vergleich zum Festpreismarkt, wo die Zeit keine so wichtige Rolle spielt, in die Höhe geschnellt. In den folgenden Tagen konnten wir den Traffic gemessen an Bandbreite und Anmeldungen verfünffachen. Wir erhielten äußerst vielfältige Berichte und Beiträge. Artprice bietet mit ihrer Kundendatei, der umfangreichsten der Welt (1,4 Millionen Mitglieder), und Milliarden von Verhaltenslogs, die gemäß den europäischen und französischen Richtlinien gespeichert sind, einer ganzen Generation von Marktteilnehmern zwischen 25 und 50 Jahren die Möglichkeit, von zu Hause oder dem Büro aus in wenigen Sekunden mehrere Zehntausend potenzielle Käufer in Bezug auf bestimmte Künstler aus der ganzen Welt anzusprechen, auch noch kaum bekannte, und deren Werke anzubieten. Wir hatten einzigartige Diskussionen mit diesen Teilnehmern, die den Mut haben, ihre eigenen Vertriebsverfahren in Frage zu stellen.

Boursica:
Worum ging es in diesen Diskussionen?

Thierry Ehrmann:
Diese Akteure des Kunstmarkts stellen ihre gesamte Tätigkeit in Frage. Sie entdecken plötzlich, dass sie tatsächlich mehr Käufer ansprechen können als die größten Auktionshäuser und die berühmtesten Galeristen der Welt. Sie sind auf ihre eigenen Kundendateien beschränkt und müssen an kostspieligen internationalen Kunstmessen teilnehmen, um auf anderen Erdteilen Fuß zu fassen, während ihnen Artprice und der standardisierte Auktionsmarktplatz einen wirtschaftlichen Paradigmenwechsel ermöglicht, mit dem sie über das Internet alle fünf Kontinente erobern können.

Boursica:
Was verstehen Sie unter einem wirtschaftlichen Paradigmenwechsel?

Thierry Ehrmann:
Sie verstehen, dass ihr betriebswirtschaftliches Modell, d.h. hohe Margen und wenige Verkäufe, da sie keine große Kundendatei haben, nicht mehr tragbar ist. Einige erwägen, einen Teil ihrer Galerie oder eine Zweigstelle zu schließen, andere wiederum denken daran, die physischen Verkaufsräume aufzugeben. Sie entdecken, dass der weltweite Kunstmarkt, der in den Nachkriegsjahren 500.000 Sammler zählte und heute 450 Millionen „Kunstkonsumenten“ umfasst, ihnen endlich offen steht und sie in wenigen Minuten von zu Hause oder ihrem Büro aus auf ihn zugreifen können. So können sie ihre viel zu hohen Margen kürzen und ihren Umsatz in einem solchen Maß steigern, wie sie es sich wegen der mangelnden Ressourcen und fehlenden Internetkenntnisse nie erhofft hätten. In eineinhalb Monaten haben wir viele Hemmnisse und Schwierigkeiten abgebaut. Wenn wir die 14 Tage der Auktion, die Lieferung-Zahlung an einen vertrauenswürdigen Dritten (rund 14 Tage bei internationalen Überweisungen) und den Abschluss zwischen Käufer und Verkäufer, der für die endgültige Freigabe zuständig ist, berücksichtigen, dann gehen bei uns jetzt erst die Provisionen aus den ersten Auktionen 2012 ein. Wir werden sicher bald angenehme Überraschungen erleben, da seit der Eröffnung der Auktionen am 18. Januar 2012 immer mehr Versteigerungen auf dem standardisierten Marktplatz abgehalten werden.

Boursica:
Haben Sie Ihr Postulat mit dem der angelsächsischen Auktionshäuser verglichen?

Thierry Ehrmann:
Sie müssen unbedingt den ganzseitigen Artikel von Martine Robert in der französischen Tageszeitung Les Echos vom 3. März 2012 lesen, wo dem Jahresbericht von Artprice über den Kunstmarkt ein Gespräch mit dem Präsidenten von Christie's gegenübergestellt wird, der abschließend bemerkt: „Die Zukunft des Middle Market zwischen 800 und 10.000 Euro liegt im Internet.“ Wer könnte es besser wissen als Christie's?
Als Präsident von Artprice möchte ich unterstreichen, dass 81 Prozent der Transaktionen weltweit auf dieses Marktsegment entfallen. Sogar eine altehrwürdige Institution des Kunstmarkts ist demnach der Ansicht, dass 81 Prozent über das Internet laufen werden, d.h. über unseren standardisierten Marktplatz, da wir die unbestrittenen Marktführer auf diesem Gebiet sind.

Boursica:
Sie haben Hemmnisse und Schwierigkeiten erwähnt. Könnten Sie näher darauf eingehen?

Thierry Ehrmann:
Ein großes Problem war die vertrauenswürdige dritte Partei. Wir haben uns an den weltweit führenden Treuhänder „escrow.com“ gewandt.
Die Vorgangsweise des Unternehmens ist perfekt, leider akzeptiert es aber nur Zahlungen in US-Dollar, was vor allem für europäische Kunden ein beachtliches Hindernis darstellt. Wir haben also im Rahmen einer Ausschreibung nach einem zweiten vertrauenswürdigen Dritten gesucht und ihn auch in einer Rekordzeit gefunden. Transpact mit Sitz in England verwaltet seit Mitte Februar Zahlungen in US-Dollar, Euro und Britischen Pfund. Schließlich mussten wir noch die Verständigungsprobleme lösen.
Artprice ist in sechs Sprachen übersetzt, aber die Texte auf den Websites der Treuhänder sind ausschließlich auf Englisch verfasst. Da die auf dem Spiel stehenden Beträge sehr hoch sind, wollen unsere Kunden natürlich jede einzelne Etappe genau verstehen, sowohl die rechtlichen Aspekte als auch die praktischen Seiten. Sie wollen wissen, wie die Treuhandverwaltung und die Freigabe funktionieren.

Boursica:
Warum haben Sie nicht ganz einfach für jede Sprache einen vertrauenswürdigen Dritten gewählt?

Thierry Ehrmann:
Ich muss gestehen, dass zum Beispiel in Frankreich keine Bank und kein Finanzinstitut unseren Ansprüchen genügen konnte, obwohl die treuhänderisch verwalteten Beträge mit der Zeit steil steigen werden und das Konzept des vertrauenswürdigen Dritten in der digitalen Wirtschaft auch andere Branchen betrifft als Artprice und den Kunstmarkt. Das erklärt wohl auch den mangelnden Erfolg der Franzosen in der globalen digitalen Wirtschaft.

Boursica:
Gibt es eine Lösung? Warum machen Sie es nicht selbst?

Thierry Ehrmann:
Im Sinne des französischen Gesetzes vom 20. Juli 2011 über Online-Auktionen, vor allem § 5, der als § 321-3 im Handelsgesetzbuch (Absatz 2 und 3) übernommen wurde, muss der vertrauenswürdige Dritte, der den Betrag treuhänderisch verwaltet und die Ware freigibt, von Artprice völlig unabhängig sein, sowohl auf rechtlicher als auch auf finanzieller Ebene. Ich versichere Ihnen, dass wir unseren beiden Partnern gezeigt haben, wie viel Kunden, und es handelt sich um eine beeindruckende Zahl, auf der Website der vertrauenswürdigen Dritten aufgegeben haben, weil ihres Erachtens die Überweisung von hohen Beträgen in einer Fremdsprache, die sie nicht genau verstehen, bedeutende Risiken birgt. Als wir unseren Partnern gezeigt haben, wie hoch der Prozentsatz der abgebrochenen Transaktionen ist, waren sie sofort davon überzeugt, dass sie ihre Website und API in die Sprachen von Artprice (Französisch, Englisch, Deutsch, Italienisch, Spanisch und Chinesisch) übersetzen müssen.
Dieses Problem wird also schon im zweiten Quartal gelöst sein. Außerdem werden wir einen dritten Partner als vertrauenswürdigen Dritten in der Region Asien-Pazifik suchen.

Boursica:
Ist der Aufbau des standardisierten Marktplatzes jetzt abgeschlossen?

Thierry Ehrmann:
Ja, alles Wesentliche ist jetzt da. Aber bei Artprice sind wir daran gewöhnt, umfassende, synthetische Lastenhefte zu erstellen, die wenig personalintensiv sind. Dabei lassen wir gezielt Platz für verschiedene Erweiterungen, die uns von unserem Customer Service auf der Basis der Kundenwünsche aus aller Welt vorgeschlagen werden. Ein enormes IT-Entwicklungsprogramm mit einem monströsen Lastenheft, das den internationalen Kunden aufgezwungen wird, wäre völlig falsch. Die Franzosen versuchen gern den anderen ein Produkt aufzudrängen, das ihrem eigenen Geschmack entspricht. Artprice tut genau das Gegenteil. Wir sind der Ansicht, dass die Kunden und der Markt am besten wissen, was sie wollen. Nur sehr wenige französische Unternehmen haben sich für diesen Ansatz entschieden, obwohl er so einfach ist.

Boursica:
In einer Pressemeldung meinten Sie, das laufende Angebot würde den Prognosen für 2013 entsprechen. Ist das immer noch der Fall?

Thierry Ehrmann:
Wir rechnen mit 300 neuen Posten pro Tag, d.h. mit durchschnittlich 90.000 Posten pro Jahr. Gegenwärtig verzeichnen wir rund 500 bis 700 neue Posten pro Tag in einer sehr breiten Preisspanne. In einem bedeutenden Auktionshaus umfasst ein schöner Auktionskatalog nie mehr als 300 bis 350 Posten und wird zwei bis drei Monate lang vorbereitet, während Artprice im Durchschnitt 12 Stunden braucht. Das regt zum Nachdenken an.

Boursica:
Warum verlegen Sie den standardisierten Festpreismarktplatz nicht direkt zu den Auktionen? So würde Artprice sofort einen hohen Umsatz verbuchen.

Thierry Ehrmann:
Wir haben uns diese Frage auch gestellt und sie bei Artprice ausführlich diskutiert. Als Autor des seit 2005 bestehenden standardisierten Festpreismarktplatzes, der ein wahres Ökosystem ist, habe ich mich in Anbetracht der hohen Handelsvolumen für eine allmähliche Umstellung entschlossen. Wir wollen unsere treuen Kunden zu nichts zwingen und werden deshalb behutsam vorgehen.

Boursica:
Sie scheinen von Ihrem Postulat überzeugt zu sein. Könnten Sie es uns näher erklären?

Thierry Ehrmann:
Das ist einfach. Ich gehe davon aus, dass die meisten Verkäufer die Online-Auktionen wählen werden, da im Gegensatz zu Immobilien oder Fahrzeugen der Unterschied zwischen dem Festpreis und dem bei einer Versteigerung auf Artprice erzielten Preis bis zu 100 Prozent betragen kann, auch wenn der Verkäufer ein Profi ist. Aufgrund dieses Postulats meine ich, dass wir seit sieben Jahren in der ganzen Welt eine sehr bedeutende Anzahl von Verkäufern und Käufern in von uns entwickelten eigenen Datenbanken und Software halten. Jährlich werden Werke im Wert von rund 6,3 Milliarden Euro angeboten und Abschlüsse in Höhe von ca. 1,8 Milliarden Euro getätigt. Meines Erachtens wäre es unglaublich dumm, diese Marktteilnehmer, die eine starke Persönlichkeit haben und sich selbst eine Meinung bilden können, zu etwas zu zwingen. Jeden Tag steigen unsere Mitglieder von selbst auf Auktionen um und bestätigen damit, dass ich Recht habe.

Boursica:
Aber Ihre Aktionäre streben sofortige Ergebnisse an?

Thierry Ehrmann:
Wir mussten uns gedulden, bis Frankreich die europäische Richtlinie endlich in Landesrecht umsetzt. Ich weigere mich, jetzt das Spiel einer weniger Aktionäre zu spielen, die gern eine tägliche Offenlegungspflicht hätten und unseren Börsenkurs mit Lottozahlen verwechseln. Ich habe nichts gegen Lotto und schon gar nichts gegen die französische Lotto-Gesellschaft, die übrigens ein ausgezeichnetes Unternehmen ist, aber Spieler, die jeden Tag Gewinn einstreichen wollen, passen nicht zu den Aktionären von Artprice.

Boursica:
Was halten Ihre Stammaktionäre davon?

Thierry Ehrmann:
Alle unsere Stamm- bzw. Großaktionäre haben mehr Geduld als wir. Den Kunsthistorikern und Kunstmarktsoziologen zufolge erleben wir einen Wandel, der so tiefgreifend ist wie die Umstellung vom Parketthandel auf elektronische Systeme wie NASDAQ oder Instinet von Thomson Reuters. In dieser Hinsicht muss man der Zeit ihren Lauf lassen, schließlich besitzen wir ja dank der Patente im Bereich des geistigen und industriellen Eigentums ein Monopol bezüglich der Standardisierung des Kunstmarktes - Künstler ID, Werk ID, Werkverzeichnis ID, Schätzung/Ökonometrie ID (vgl. frühere Interviews von Boursica) -, ohne unsere marktbeherrschende Stellung zu missbrauchen. Seit 16 Jahren haben wir keine ernstzunehmenden Konkurrenten, die über ähnliche Rechte an geistigem Eigentum verfügen. Sollte entgegen aller Erwartungen eines Tages eine Nummer 2 auftauchen, dann gilt das schreckliche Gesetz der Online-Welt, in der ich seit 25 Jahren lebe, und das heißt: „Second place is the first loser.“

Boursica:
Gibt es eine Verbindung zur außerordentlichen Hauptversammlung vom 30. März 2012, die ursprünglich nicht vorgesehen war?

Thierry Ehrmann:
Ja. Die außerordentliche Hauptversammlung bezeugt den erfolgreichen betriebswirtschaftlichen Wandel, der nun Gewissheit geworden ist. In 16 Jahren sind wir der weltweit führende Anbieter von Informationen über den Kunstmarkt geworden und zählen heute 1,4 Millionen Abonnenten. Anfang 2012 sind wir davon überzeugt, dass unser Kerngeschäft, das uns eine optimale Rentabilität gewährleistet, der standardisierten Festpreis- und Auktionsmarktplatz ist. Aus diesem Grund passen wir unseren Unternehmenszweck der neuen Ausrichtung von Artprice an.

Boursica:
Einige unserer Leser erwarten eine Kapitalerhöhung anlässlich der außerordentlichen Hauptversammlung. Stimmt das? Waren Sie nicht dagegen?

Thierry Ehrmann:
Es handelt sich nicht um eine Kapitalerhöhung sondern um Stockoptionen. Sie sollen seltene, atypische Profile anziehen, die wir für den standardisierten Auktionsmarktplatz brauchen. Wir suchen in der Kunstwelt die Besten, da müssen wir auch etwas bieten können. Außerdem ist es logisch, dass wir die Mitarbeiter von Artprice für ihr außergewöhnliches Engagement belohnen wollen.
Was Kapitalerhöhungen betrifft, so kann ich nur wiederholen, was ich bereits erklärt habe: Ich bin gegen Kapitalerhöhungen, weil sie nicht nur das Kapital verwässern, sondern auch, und das wird oft vergessen, den Aktienkurs daran hindern, sehr schnell zu steigen. Im Gegensatz zu den übrigen börsennotierten Unternehmen haben wir keine Schulden, nicht einen Cent. Keinen Kontokorrentkredit, keine kurz-, mittel- oder langfristigen Kredite, keine Bankzusicherungen, keine Finanzinstrumente wie Aktienbezugsscheine und sonstige Derivate. Außerdem haben wir reichlich Barmittel und einen negativen Betriebskapitalbedarf.

Boursica:
Vor einigen Tagen haben Sie Ihren Kunstmarktbericht veröffentlicht. Wie kommt es, dass die französischen und ausländischen Medien und Institutionen Artprice nur im Zusammenhang mit dem Kunstmarkt erwähnen? Ist das Lobbying?

Thierry Ehrmann:
Nein, ich kann Sie beruhigen, es gibt nur eine Antwort auf Ihre Frage: die Geschichte von Artprice. Wir sind heute das einzige Unternehmen der Welt, das den Kunstmarkt in mehr als einer Million Arbeitsstunden standardisieren ließ. Kunsthistoriker, Wissenschaftler und Kunstjournalisten haben alle Werke aus den Manuskripten und Katalogen vom 17. Jahrhundert bis heute dokumentiert und beschrieben. Aus diesem Grund haben wir die weltweit umfangreichste Datenbank über den Kunstmarkt, mit der wir die Kunstwerke über die Jahrhunderte hinweg verfolgen können. Unsere Kunsthistoriker haben 108 Millionen Bilder und Stiche von Kunstwerken von 1700 bis heute kommentiert. Mit dieser Standardisierung und mehr als 4.500 Auktionshäusern, die mit unserem gesicherten Intranet verbunden sind, sind wir die einzige Presseagentur (Art Market Insight), die makroökonomische Daten, Notierungen und Repeat-Sales-Indizes sowie rund 100 Referenzindizes anbietet. Auf dieser Grundlage können jedes Jahr 6.300 Medien mit objektivem und ausführlichem Zahlenmaterial über den Kunstmarkt berichten.

Boursica:
Können Sie uns ein konkretes Beispiel geben?

Thierry Ehrmann:
Zum Beispiel China, wo wir die einzigen sind, die nicht nur die Sprachschranken überwinden sondern auch die Bräuche und Sitten meistern und diese schwierigen Informationen erhalten.

Boursica:
Die permanente Präsenz in den Medien hat sicher einen Preis?

Thierry Ehrmann:
Nein, im Gegenteil. Printmedien und Fernsehen sind vertraglich gezwungen, uns systematisch mit unserem Internet-Code abzufragen und unsere Methode zu kommentieren. So sparen wir jedes Jahr zwischen 16 und 18 Millionen Euro für die Werbung, die sicher nicht dieselbe Wirkung hätte. Nichts kann die von einer Presseagentur produzierten Inhalte ersetzen, die weitaus einflussreicher sind als es auch sehr gute Werbung jemals sein könnte. Untersuchungen zu bestimmten Märkten für Medien, Versicherungen oder Private Banking werden selbstverständlich von uns in Rechnung gestellt.

Boursica:
Aber Sie haben doch eine internationale Werbekampagne für den Start des standardisierten Auktionsmarktplatzes erwähnt?

Thierry Ehrmann:
Ja, als wir die Auktionen gestartet haben, wurde in den Medien ausführlich darüber berichtet, aber wir haben 2012 trotzdem eine gezielte Kampagne geplant. In jedem Land haben wir die beiden führenden Fachzeitschriften ausgewählt. Außerdem richten wir uns an Fernsehsender, die auf Kunst und Luxus spezialisiert sind. Die Kampagne hat Ende Januar 2012 begonnen und folgt dem Kalender des Kunstmarktes, der im Frühling einen Höhepunkt erreicht.

Boursica:
Kommen wir auf den eben veröffentlichten Kunstmarktbericht zurück. Er kann auf Ihrer Website abgerufen werden. Können Sie uns kurz erläutern, wie das Fazit des Berichts lautet?

Thierry Ehrmann:
Der Titel fasst den Tenor bereits zusammen: „Kunst hat noch nie so viel eingebracht wie 2011“. Weltweit wurde im letzten Jahr mit einem Erlös von 11,5 Milliarden US-Dollar ein neuer Rekord aufgestellt. Das bedeutet, dass der Primärmarkt, d.h. Galerien, Kunsthändler und Makler, rund 90 Milliarden US-Dollar erwirtschaftet haben, was dem Verhältnis des Primär- zum Sekundärmarkt entspricht. Der Anteil der nicht verkauften Werke war noch nie so niedrig. China überholt die USA mit 41 Prozent des weltweiten Kunsthandels. Asien wird mit 45 Prozent des Weltmarktes ein eigener Markt. Die chinesischen Künstler belegen Spitzenplätze, sowohl in unseren Top 10 als auch in den Top 500. Die westliche Ikone Pablo Picasso rutscht erstmals auf Platz vier ab. Frankreich fällt und fällt.
Die Anzahl der Millionenauktionen wächst stetig, insbesondere in Asien.

Boursica:
Ist der Kunstmarkt wie Gold ein sicherer Hafen für Anleger?

Thierry Ehrmann:
Ja, als die Weltwirtschaft und die Finanzwelt 2008 und 2011 zusammengebrochen sind, konnte der Kunstmarkt ausgezeichnete Ergebnisse einfahren. Private Banking-Experten und Vermögensberater empfehlen heute, übrigens auf Grundlage der ökonometrischen Instrumente von Artprice, die Anlagen in Krisenzeiten im Kunstmarkt zu diversifizieren. Sehen Sie sich die Entwicklung nach Preisklassen an, dann werden Sie verstehen, warum der Artprice Global Index sich besser verhält als der S&P 500 oder der Eurostoxx 50.

Boursica:
Wenn wir nun schon von Millionenauktionen sprechen, wann wird es auf Artprice die erste Millionenauktion geben, auf die alle warten?

Thierry Ehrmann:
Millionenauktionen auf Artprice sind angesichts unserer Verhandlungen mit den bedeutenden Akteuren des Kunstmarkts eine Gewissheit. Jetzt ist es nur noch eine Frage der Zeit. Ich könnte mir auch sehr gut vorstellen, dass ein Werk eines chinesischen Künstlers zu einem solchen Preis versteigert wird.

Boursica:
Kommen wir auf Frankreich zurück. Warum stürzt Frankreich immer tiefer ab?

Thierry Ehrmann:
Ich habe diese Frage oft beantwortet. In den Sechzigern stand Frankreich noch an der Spitze, seitdem verliert es leider ständig an Boden. Hier einige Zahlen: Auf zeitgenössische Kunst entfallen jährlich 13 Millionen Euro, was auf den Weltmarkt hochgerechnet gar nichts ist. New York und London erzielen mit schönen Katalogen an einem Tag, was Frankreich in einem Jahr schafft. Natürlich haben das 500-jährige Monopol der Auktionatoren und der klägliche Misserfolg der ersten Reform im Jahr 2000 dazu beigetragen, Frankreich an den Rand des Abgrunds zu drängen. Ich weiß, wovon ich spreche, schließlich habe ich 16 Jahre dagegen gekämpft und Dutzende von Prozessen angestrengt und letztendlich auch gewonnen.

Boursica:
Heute herrscht aber Frieden zwischen Artprice und den ehemaligen Monopolisten?

Thierry Ehrmann:
Auf wirtschaftlicher Ebene ist alles abgeschlossen, der Weg ist geebnet. Auf juristischer Ebene ist das letzte Wort noch nicht gefallen. Wir wollen nicht nachtragend sein, aber wir verlangen einen Ausgleich des von uns erlittenen wirtschaftlichen Schadens. Ferner fordern wir im Rahmen von Widerklagen die Wiedergutmachung einiger Anklagen, die abgewiesen wurden. Schließlich haben wir bei der französischen Wettbewerbsbehörde Anklage gegen französische Auktionshäuser wegen unzulässiger Wettbewerbsbeschränkung erhoben und verfolgen sie weiterhin strafrechtlich. Seit Ende Januar 2012 haben sich nämlich neue Elemente ergeben.

Boursica:
Wen haben Sie im Visier?

Thierry Ehrmann:
Wir haben eine kleine Anzahl Pariser Auktionatoren im Auge, in erster Linie bei Drouot, die sich durch Justizskandale und wiederholte Untersuchungen auszeichnen. Die zuständige französische Aufsichtsbehörde, der Conseil des Ventes Volontaires, veröffentlichte am 6. Januar 2012, einige Stunden nach dem Start unseres standardisierten Auktionsmarktplatzes, ohne uns schriftlich oder telefonisch oder sonst irgendwie benachrichtigt oder gewarnt zu haben, eine völlig surrealistische Pressemeldung. Dabei kennt sie uns gut, sowohl durch die Anhörungen als auch über die Daten, die wir ihr alljährlich für den Bericht über den Kunstmarkt liefern. Seit wann werden Klageschriften als Pressemeldung publik gemacht, ohne dass wir vorher auf dem Rechtsweg darüber informiert werden?
Ich finde die Aufgabe des Conseil des Ventes Volontaires wesentlich, aber er muss den Grundsatz des rechtlichen Gehörs berücksichtigen. Die Lage ist wie sie ist. Wir meinen, dass ein harter Kern von Auktionatoren, die Drouot nahestehen und sich über die Folgen des Gesetzes vom 20. Juli 2011, insbesondere § 5, den ich bereits erwähnt habe, ärgern, den Conseil des Ventes Volontaires absichtlich irregeführt hat. Dabei hat es die Aufsichtsbehörde in den letzten Jahren trotz der dürftigen Mittelausstattung gewagt, mutige Debatten über den unerbittlichen Niedergang des französischen Kunstmarkts zu führen. Wir erhielten brutale Drohungen von einigen wenigen Akteuren, die den Zusammenbruch ihrer Margen und Märkte nicht verkraften wollen. Meinem Scharfsinn und meiner lange Erfahrung zufolge sind solche Hassbezeugungen und Wutausbrüche der beste Beweis dafür, dass wir dort zugeschlagen haben, wo der Gewinn liegt, nämlich bei den 5 Prozent Nettoprovision auf Werke im Wert von mehr als 15.000 Euro und den 7 Prozent auf Werke in der Preisklasse von 7.500 bis 15.000 Euro.

Boursica:
Das Internet hat also den Kunstmarkt unter anderem mit Ihnen geschluckt?

Thierry Ehrmann:
Alles ist relativ. Seit 2000 sind bereits 4.500 Kunst-Websites untergegangen. Zudem sind beinahe alle Kunst-Websites von der Börse verschwunden, werden nun außerbörslich gehandelt und verzeichnen keine Umsätze. Wir haben Artprice mit weniger als 30 Millionen Internetnutzern gestartet. Heute zählen wir mehr als 2,7 Milliarden. Diese Zahlen werden weiter steigen. Die Erklärung des Präsidenten von Christie's über Kunstwerke und Internet ist für uns der beste Beweis dafür.

Boursica:
Besitzt das Internet noch ein Wachstumspotenzial?

Thierry Ehrmann:
Wir haben erst 30 Prozent des Wachstums im Internet ausgeschöpft. Der herkömmliche Kunstmarkt ist erst zu 15 Prozent entmaterialisiert. Das mobile Internet ist ideal für Artprice, weil unsere Kunden immer unterwegs sind und ständig Informationen benötigen: Sachverständige, Versicherungsvertreter, Galeristen, Auktionatoren, Zollbeamte und natürlich auch Sammler und Kunstliebhaber, die in einer Galerie oder einem Auktionshaus etwas kaufen wollen.
80 Prozent der Anfragen an Artprice werden wohl auf das mobile Internet entfallen. Wir haben schon mehr als 30 Prozent erreicht. Alle großen Marktforschungsunternehmen prognostizieren, dass 2012, gemessen am Smartphoneabsatz, die Zahl der mobilen Internetnutzer um 550 bis 700 Millionen steigen wird. 2015 werden mehr als 3,5 Milliarden mobile Internetsurfer Artprice nutzen können.

Boursica: Was bedeutet es, dass der herkömmliche Kunstmarkt erst zu 15 Prozent entmaterialisiert ist?

Thierry Ehrmann:
Das bedeutet, dass die Entmaterialisierung des herkömmlichen Kunstmarkts erst begonnen hat.
Ich zitiere gern meinen alten Meister Pythagoras, den ersten Philosophen, für den alles Zahlen war, mit Ausnahme der nicht quantifizierbaren, unaussprechlichen menschlichen Gefühle, die sich nicht erfassen lassen. Aus diesem Grund können über die Anzahl der Internetnutzer hinaus alle Handelsgeschäfte entmaterialisiert werden. Artprice und der Kunstmarkt sind ein ausgezeichnetes Beispiel dafür. Die Herausforderung, die die Welt meistern muss, besteht aus der Entmaterialisierung und der nachhaltigen Entwicklung. Nur die Entmaterialisierung kann die Energiekrise lösen.

Boursica:
Wie gehen Sie bei solchen Zahlen auf der technischen Ebene vor?

Thierry Ehrmann:
Wir arbeiten über Serveur, unsere Muttergesellschaft, die Time Magazine seit 1987 zu den Pionieren im Internet zählt, seit den Neunzigern unter Berücksichtigung der EU-Richtlinien und der Vorschriften des französischen CNIL am Data-Mining. Jetzt beschäftigen wir uns mit dem Big-Data-Konzept und Speichereinheiten, die in Petabyte gemessen werden. Die Daten werden in Echtzeit produziert, kommen aus allen Ländern in kontinuierlichen Datenströmen, werden mit heterogenen Metatags versehen und stammen aus den unterschiedlichsten destrukturierten und nicht prädikativen Quellen.

Boursica:
Wodurch unterscheiden sich Big-Data und Data-Mining? Ist das nicht dasselbe?

Thierry Ehrmann:
Nein. Ich werde Ihnen erklären, warum. Data-Mining besteht darin, Daten mit hohem Mehrwert der Datenbanken der Unternehmensgruppe zu vergleichen, um qualitative Daten zu schaffen. Big-Data bezieht sich auf das Data-Mining in kleineren Mengen. Unter Einhaltung der Datenschutzvorschriften werden Milliarden von Daten (Logs), die bislang als nicht wesentlich galten, gesammelt. Ziel ist es dabei, neue Muster zu erkennen. Seit die Kosten für ein Petabyte (1000 Terabyte) dramatisch gesunken sind, haben wir erkannt, wie diese an und für sich weniger qualitativen und als unwesentlich betrachteten Daten im Data-Mining ausgewertet werden können. Jetzt können wir komplexe, momentane Phänomene verstehen und sehr schnell Produkte und Dienstleistungen anbieten, die den Erwartungen unserer Nutzer genau entsprechen. Und mit Nutzern meine ich Millionen von Menschen, die unsere Website kostenlos oder kostenpflichtig nutzen.

Boursica:
Zu welchen Anwendungen kann Big-Data führen?

Thierry Ehrmann:
Wir konnten zum Beispiel seit der Eröffnung des standardisierten Auktionsmarktplatzes am 18. Januar 2012 nicht nur die beeindruckende Zahl der Besucher auf Artprice messen, sondern aufgrund der Analyse von Hunderten Millionen Logs auch verstehen, warum die neuen Kunden erst seit der Einführung der Auktionen die Website besuchen. Ferner können wir, wie ich es bereits eingangs erwähnt habe, in dem Traffic, der sich beinahe verfünffacht hat, die neuen und potenziellen Kunden analysieren, die sich anscheinend nur für Auktionen interessieren, die jedoch in Wirklichkeit zwischen den Auktionen und den kostenlosen Daten, deren Wert sehr beschränkt ist, in unseren kostenpflichtigen Datenbanken zu den Notierungen, Indizes und Biografien hin- und herpendeln, ohne mehr als 50 Euro auszugeben.
Mit Big-Data können wir maßgeschneiderte Lösungen anbieten, die berücksichtigen, dass 70 Prozent der neuen oder potenziellen Kunden sich über das mobile Internet einloggen. Auf der Grundlage des Anteils der kostenpflichtigen Daten, die sie abrufen, kommen wir auf ein Profil, das rund 36 Euro pro Jahr oder 3 Euro pro Monat ausgibt. Unserer Zielgruppe wird jetzt nicht mehr in Millionen Nutzern gemessen, wie es heute üblich ist, sondern in Dutzenden von Millionen Kunstkonsumenten, die mit iPhones oder Smartphones unter Android von Google ausgestattet sind.

Boursica:
Und wo sind die Künstler geblieben?

Thierry Ehrmann:
Auch hier erkennen wir mit Big Data, dass es neben unserer biografischen Datenbank, die 1,8 Millionen Künstler umfasst, von denen 450.000 an Versteigerungen teilnehmen, es eine knappe Million Künstler gibt, die von der Idee begeistert sind, ihre Werke auf dem standardisierten Auktionsmarktplatz anzubieten, die ihre Biografien online gestellt haben, die ihre Werke jedoch, um unabhängig zu bleiben, weder über Galerien noch über Auktionshäuser verkaufen. Dieses Potenzial ist bedeutend. Da der Preis dieser Werke oft unter 7.500 Euro liegt, berechnen wir nur 9 Prozent Provision und Gebühren.

Boursica:
Wie steht es um ihr soziales Netzwerk Artprice Insider?

Thierry Ehrmann:
Dieses soziale Netzwerk, das mit Soziologen und Netzwerkexperten aufgebaut wird, ist das Gegenteil von Facebook, das heißt, dass die Mitglieder von Artprice unter ihrem wahren Namen auftreten. Artprice Insider wird an den standarisierten Festpreis- und an den Auktionsmarktplatz gekoppelt. Die Ergebnisse der ersten Tests waren ausgezeichnet und der Ideenaustausch war qualitativ sehr gut, im Gegensatz zu manchen sozialen Netzwerken, auf denen vorwiegend Banalitäten ausgetauscht werden. Wir feilen seit 18 Monaten an Verbesserungen, weil ein solches Netzwerk eine wahre Bombe in der sonst so diskreten Kunstwelt ist. Deshalb dürfen wir uns keine Fehler erlauben.

Boursica:
Das Netzwerk ist also Kunstkennern vorbehalten?

Thierry Ehrmann:
Nein, das stimmt nicht ganz. Ich würde eher sagen, dass das Netzwerk einem Think Tank oder einer Brain Box ähnelt. Artprice Insider muss sich durch originelle Ideen, Expertentum und Fachkenntnisse auszeichnen, die Debatte um den Kunstmarkt weiterbringen und zur Entwicklung neuer Konzepte beitragen. Alles, aber auch wirklich alles muss neu erfunden werden, da der Kunstmarkt bis zur Entstehung des Internets in einem tiefen Schlaf versunken war. Und hier noch ein Scoop: Einige Akteure, die zu den Top 100 der Market Maker des Kunstmarkts gehören, haben zugesagt, live in unserem Netzwerk aufzutreten.

Boursica:
Wie finden Sie eigentlich noch die Zeit, eine Retrospektive ihres Werks als bildender Künstler über die letzten 30 Jahre vorzubereiten, die im Juni 2012 im Demeure du Chaos, der Hauptverwaltung von Artprice und gleichzeitig Museum für zeitgenössische Kunst, stattfinden soll?
 
Thierry Ehrmann:
Ich bereite diese Retrospektive seit 18 Monaten vor. Im Juni 2012 bin ich seit 30 Jahren als bildender Künstler tätig. Für dieses Ereignis habe ich in den letzten 18 Monaten 450 Stahlskulpturen geschaffen, die den Besucher zu einem Parcours auf dem Gelände einladen. Dort entdecken sie die 3609 Werke, die den Korpus des Demeure du Chaos bilden. Die New York Times nannte diesen Wohnsitz des Chaos auch Abode of Chaos.
Die europaweit größte Bildhauerinstallation besteht aus 900 Tonnen Stahl, die von Schmieden mit Hochpräzisionslasern bearbeitet wurden. Diese Ausstellung erlaubt mir wieder einmal, die Künstler und Akteure des Kunstmarkts genau zu analysieren. Man kann nicht Artprice aufbauen, ohne gleichzeitig völlig in der Kunst versunken zu sein. Zu den 120.000 Besuchern pro Jahr gehören viele Aktionäre und Kunden, mit denen ich am Wochenende außerhalb des Büros über Artprice diskutieren kann. Ich kann also sagen, dass ich eine 63-Stunden-Woche habe. Diese Entscheidung, die ich bewusst getroffen habe, kann vieles erklären, was manche Menschen nicht richtig verstehen.

Boursica:
Was sagen Sie zu ihrem Börsenkurs 2011? Was erwarten Sie 2012?

Thierry Ehrmann:
In Europa konnten wenige börsennotierte Unternehmen die Entwicklung ihres Aktienkurses so gut voraussagen wie wir. Artprice verzeichnete die beste Kursentwicklung an der Börse. Unser Titel stieg 2011 um 472 Prozent. Vom 1. Januar bis zum 31. Dezember 2011 wurde ein Aktienvolumen im Wert von 873 Millionen umgesetzt. Außerdem notieren wir nun bei 67 Euro, was ich ebenfalls prognostiziert habe. In den letzten zwölf Monaten stieg der Kurs um 476 Prozent und wurden Titel im Wert von 1,25 Milliarden Euro gehandelt. Jetzt sind wir im Segment B von Eurolist und seit einigen Tagen auch auf der SRD Long Only Liste. Wenn wir dann auch noch die Auktionen berücksichtigen, so sollte der Kurs sich 2012 bei 90 Euro konsolidieren, vorausgesetzt natürlich, dass die Entwicklung nicht von Ereignissen gebremst wird, auf die wir keinen Einfluss haben.

Boursica: Sie haben kürzlich Investmentfonds erwähnt, die sich für Artprice interessieren. Um welche Fonds handelt es sich?

Thierry Ehrmann:
Ich kann hier nicht über vertrauliche Daten sprechen, aber unsere Aufnahme in die SRD Long Only Liste hat dazu geführt, dass viele Investmentfonds, die nur in französische Unternehmen auf der SRD Long Only Liste investieren dürfen, sich jetzt an uns beteiligen können. Sie haben einen anderen Ansatz als die Franzosen und vergleichen uns unter anderen mit Sotheby's, dem einzigen börsennotierten Auktionshaus der Welt. Diese Anleger sehen Artprice und den standardisierten Festpreis- und Auktionsmarktplatz als Hauptakteur des Kunstmarkts im Internet und bewerten uns aus diesem Grund anders, da sie meinen, dass unser Kurs nicht unseren wahren Wert widerspiegelt.

Boursica: Könnten Sie näher darauf eingehen?

Thierry Ehrmann:
In unserem ersten Gespräch im Juni 2011 haben wir konkrete Beispiele für die einzelnen Bewertungsmethoden gegeben, die schon mehr als 120 Jahre alt sind. Der Wert eines Auktionshauses besteht zu 80 Prozent aus der Kundendatei, d.h. 800 bis 4.000 US-Dollar je Kunde, und zu 20 Prozent aus dem Markennamen des Auktionshauses, wenn es bekannt ist. Der Unterschied zwischen einem 800 US-Dollar-Kunden und einem 4.000 US-Dollar-Kunden besteht aus der Informationsdichte über den Endkunden, auf deren Grundlage dann der Preis ermittelt wird. Für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Artprice, für mich und für unsere Aktionäre beginnt jetzt wohl eine neue Ära. Wir sind sozusagen wie ein Unternehmen, das seinen Börsengang am Nasdaq plant und noch dazu über elf Jahre Erfahrung an der Börse verfügt. Das ist unheimlich spannend und sehr motivierend.

Boursica:
Und wie steht es mit den Abkommen in Asien?

Thierry Ehrmann:
Im März 2012 beginnen wir in China Verhandlungen mit den wichtigsten chinesischen Auktionshäusern. Wir haben rund 40 Termine. Wir teilen viele Ideen, so zum Beispiel über die Entmaterialisierung des Kunstmarkts. Auch die Chinesen sind der Ansicht, dass physische Auktionsräume 2012 vor dem Hintergrund von Internet und unserem standardisierten Auktionsmarktplatz, der in Hongkong über einen eigenen Standort verfügen wird, nicht mehr gefragt sind.
In Asien, das ich seit 20 Jahren kenne, laufen Verhandlungen ganz anders als in Europa. Es braucht sehr lang, das Vertrauen des künftigen Geschäftspartners zu gewinnen. Versprechen sind wichtiger als das Vertragsrecht. Im Gegenteil dazu kann ein Geschäft so schnell abgeschlossen werden, dass Europäer oft in Panik geraten. Meiner Meinung nach ist Artprice in Asien sehr gut aufgestellt. Wir werden als Vorreiter betrachtet und haben den in Asien oft als unzeitgemäß geltenden angelsächsischen Häusern gegenüber einen beachtlichen Vorsprung.

Boursica:
Sie haben eben die altehrwürdigen angelsächsischen Auktionshäuser erwähnt. Welche Beziehungen haben Sie zu ihnen, insbesondere seit dem 18. Januar 2012?

Thierry Ehrmann:
Das Kräfteverhältnis, das 2005 durch den standardisierten Festpreismarktplatz entstand, hat sich geändert. Beide Seiten haben sich Fragen in Bezug auf ihre Zukunft gestellt. In anderen Branchen als dem Kunstmarkt hat die Gegenüberstellung Old Economy / New Economy zu Fortschritten geführt. 1999 zählten wir 50 Millionen Nutzer, heute sind es knapp 3 Milliarden, das sind harte Fakten, auf die ich meine Theorie des wirtschaftlichen Paradigmenwechsels stütze.

Boursica:
Könnten Sie uns näher erklären, um welche Fortschritte es sich dreht?

Thierry Ehrmann:
Die Old Economy hat endlich verstanden, dass eine 25-jährige Präsenz im Internet, wie die der Firma Serveur, der Artprice gehört und die ich gegründet habe, eine Raumzeit ist. Diese Raumzeit ist nicht nur inkompressibel, sondern wegen der hochkomplexen Internetkultur auch beinahe unerschwinglich. Für den Kunstmarkt ist eine Anekdote aus der „Occupy Wall Street“-Bewegung sehr aufschlussreich. So wurde vermögenden Personen empfohlen, bestimmt Ort zu meiden, allen voran die Auktionshäuser. Die meisten Auktionshäuser verkaufen aber ohnehin schon ihre Immobilien oder kündigen ihre Pachtverträge. Sie entdecken, dass gesicherte IT-Netzwerke, Data-Mining, Verhaltensmarketing, Indizierung und den Kunstmarkt standardisierende Datenbanken bedeutende Ressourcen voraussetzen. Die finanziellen und technologischen Schwellen sind sehr hoch. Zudem gibt es manchmal, so wie in unserem Fall, Rechte zum Schutz des geistigen Eigentums, das heißt, sie dürfen keine patentierten standardisierten Marktplätze® erstellen, deren Urheberrechte bei Artprice liegen.

Boursica:
Was folgern Sie daraus?

Thierry Ehrmann:
Erstens hat die Gegenpartei den Wert der Sachanlagen und immateriellen Werte verstanden, die das Vermögen von Artprice bilden. Zweitens haben alle bedeutenden Auktionshäuser in Internet investiert, meistens im Rahmen von zwei oder drei Investitionsplänen. Jedes Mal wurden zweistellige Millionenbeträge investiert, aber das Ergebnis war nie zufriedenstellend und manchmal sogar katastrophal. Drittens wurde ein langjähriger Akteur wie Artprice anerkannt und erstmals eine Aufteilung des Kunstmarkts ernsthaft erwogen.

Boursica:
Wie wird der Kunstmarkt aufgeteilt?

Thierry Ehrmann:
Ganz einfach. Das Segment der Werke unter 15.000 Euro entgleitet ihnen, dabei ist das ein sehr großer Teil, auf ihn entfallen immerhin 81 Prozent. Zwischen 15.000 und 50.000 Euro sind sie preislich nicht wirklich wettbewerbsfähig. Jetzt stellt sich die Frage der Werke im Wert von mehr als 50.000 Euro und natürlich auch der Millionen-Euro-Werke, die manchmal von maßgeschneiderten Dienstleistungen für Käufer und Verkäufer begleitet werden. Die traditionsreichen Auktionshäuser erkennen sehr schnell, dass ihr Alter und ihre Marketingvorteile nicht ausreichen, um in den kommenden fünf Jahren ausgewogene Ergebnisse zu erzielen. Es bleibt ihnen nichts anderes übrig, als mit uns zusammenzuarbeiten.
Wir respektieren ihren Ansatz, aber wir vergleichen sie doch mit unseren asiatischen Partnern, die sich seit langer Zeit auf diese Situation vorbereitet haben und heute keine Probleme mehr lösen müssen. Es ist aber ohne weiteres möglich, dass wir uns doch noch mit ihnen verständigen. Die neue Managergeneration an der Spitze der traditionsreichen Häuser hat keine Angst vor den Gespenstern der Vergangenheit und sieht tatendurstig in die Zukunft.
2012 werden unsere Aktionäre sicher einige positive Überraschungen erleben.

Boursica:
Woran denken Sie dabei?

Thierry Ehrmann:
Ohne Geschäftsgeheimnisse zu verraten kann ich nur andeuten, dass wir mit bedeutenden Akteuren über White-Label- oder CoBranding-Abkommen verhandeln. In diesem Rahmen kann der Umsatz der herkömmlichen Auktionshäuser, die seit vielen Jahren Auktionen durchführen und nun unseren standardisierten Auktionsmarktplatz auf eigene Rechnung nutzen wollen, unseren Börsenkurs beeinflussen.
Wir erleben gegenwärtig immer wieder dasselbe Szenario: Der Geschäftsführer eines bedeutenden internationalen Auktionshauses geht in den Ruhestand, ein junger 35-jähriger Manager tritt seine Nachfolge an, führt ein Audit durch und kommt sofort zu uns, um das große Geschäft zu landen, während sein viel älterer Vorgänger Artprice höchstens als UFO der Kunstwelt wahrgenommen hat, ohne weiter darüber nachzudenken. Geduld war schon immer eine der Grundvoraussetzungen für den Erfolg von Artprice.

Boursica:
Welche Rolle spielen Sie in diesem Rahmen?

Thierry Ehrmann:
In diesem Fall agieren wir als IT-Berater oder Server Center und stellen die Hosting- und Nutzungskosten unserer eigenen Software und Datenbanken in Rechnung.

Boursica:
Und nun noch eine abschließende Bemerkung. In unserem ersten Gespräch haben Sie behauptet, Artprice wäre bei 10 Prozent ihrer Geschichte angekommen, in unserem zweiten Gespräch meinten sie allerdings, es wären erst 5 Prozent. Wie viel Prozent sind es heute?

Thierry Ehrmann:
Wir sind immer noch bei 5 Prozent der Entwicklung, der große Unterschied liegt darin, dass die letztes Jahr erwähnten 5 Prozent einfach ein Schätzwert war, der heute von Fakten und Zahlen erhärtet wurde. Für uns und unsere Aktionäre ist das eine ausgezeichnete Nachricht.


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Die vorherigen Exklusivinterviews mit Thierry Ehrmann können Sie hier einsehen :
http://serveur.serveur.com/Press_Release/2011-interview-thierry-ehrmann.html


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Kunstmarkt : exklusivinterview mit Thierry Ehrmann, Gründer und CEO von Artprice (7. März 2012)
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